Mit Hypnose die Angst dressieren
Schluss mit Prüfungsangst. Hypnosetherapeutin Gabriela Taugwalder erzählt, wie sie einem Studenten geholfen hat.

Die Angst kann hilfreiche Aufpasserin oder blockierende Panikmacherin sein. Sie hat viele Gesichter und mischt sich in alle Lebensbereiche ein. Manchmal beschränkt sie sich auf ein klar abgestecktes Thema, manchmal zeigt sie sich in Form eines diffusen unguten Gefühls oder negativer Gedankenspiralen, die sich vom Moment des Aufwachens bis in den Schlaf ziehen. Gemeinsam ist allen Ängsten, dass sie sich zwar kaum je von sich aus auflösen, dass sie sich aber mit Hypnosetherapie meist gut und schnell bändigen lassen.
Das Vertrauen in den eigenen Körper fehlt
Dem Studenten Tom wurde Angst und Bang beim Gedanken an die bevorstehende Prüfung. Er sah sich im Prüfungssaal sitzen, mit leerem Kopf, kurzatmig und mit rasendem Herzen, vor ihm das Prüfungsblatt. Auf mein Nachfragen hin bestätigte er mir, dass er vor wenigen Monaten bei einer Prüfung zum ersten und einzigen Mal einen solchen Panikzustand erlebt hatte. Deswegen habe er das Vertrauen in seinen Körper verloren. Dieser könne ja in einer stressigen Situation jederzeit wieder eine solche Panikattacke produzieren.
Ich schlug Tom vor, das Wort Panikattacke durch ein passenderes zu ersetzen. Er sei ja schliesslich nicht attackiert worden. Er entschied sich für «überflüssiger Hundertmeterlauf» und fühlte sich gleich etwas besser. Daraufhin brachte ich ihm verschiedene wirkungsvolle Methoden bei, um bei Aufregung seinem Innern Sicherheit zu vermitteln. Tom’s Blick verriet noch etwas Skepsis. Er meinte aber, er sei froh darüber, seinen Emotionen nicht mehr hilflos ausgeliefert zu sein.
Dem Trauma den Stachel ziehen
In einem nächsten Schritt verwendete ich eine hypnotische Technik, die «Rewind» heisst. Tom dachte sich an seinen Lieblingsort in den Bergen, an dem er sich sicher und wohl fühlt. Wir verankerten dieses sichere Gefühl in seiner linken Faust. Vom Lieblingsort aus beobachtete er auf einer Kinoleinwand in mehreren Durchgängen und stark beschleunigt abwechslungsweise die schlimme alte Prüfungssituation, um sich daraufhin als Teil davon zu erleben, wobei die ganze Erfahrung sehr schnell rückwärts abgespielt wurde. Aufgrund der gleichzeitigen kontinuierlichen Vertiefung seiner Entspannung war Tom am Schluss in der Lage, das Erlebte auf der Leinwand gänzlich unbelastet zu beobachten. Zum Schluss unternahmen wir einen hypnotischen Ausflug in die nahe Zukunft, bei der Tom sich dabei zuschaute wie er gelassen und fokussiert den Prüfungstag erlebte und mühelos die Aufgaben löste. Müde und hoffungsvoll machte sich Tom auf den Heimweg.
Gelassenheit kann man üben
In der zweiten Sitzung bat ich Tom, die Augen zu schliessen, sich die Zeit vom Abend vor der Prüfung bis zur Abgabe der Prüfungsblätter vorzustellen und mir jeweils mitzuteilen, wann eine Situation auftauchte, die er als belastend empfand. Mittels nachgesprochener Sätze, die sich an das Unterbewusstsein richten und blockierte Energie zum fliessen bringen, erlebte Tom zu seiner Überraschung wie die Belastung jeweils schmolz wie Schnee an der Sonne. Um auf Nummer sicher zu gehen, wünschte sich Tom zum Abschluss noch eine «grosse Portion Gelassenheit». Auch dafür zeigte ich ihm eine wirkungsvolle Übung, bestehend aus drei Visualisierungsschritten, auf die er die Autosuggestion «Hopp Tom» folgen liess. Diese Übung sollte er ein paar Mal vor dem Prüfungstag wiederholen.
Fünf Wochen später erhielt ich per WhatsApp eine Nachricht von Tom mit einem Berg und drei Smilies: «Danke Gabriela! Ich war überhaupt nicht nervös an der Prüfung. Gestern erhielt ich das Resultat. Ich bestand mit einer 5».
Hier den Artikel aus der Zeitschrift doktor stutz zum nachlesen.