Guter Sex ist hypnotisch
Nina denkt beim Sex an die Steuererklärung. Hypnosetherapeutin Gabriela Taugwalder erzählt, wie sie die Lust bei ihrer Klientin wieder entfachen konnte.

«Während dem Sex dachte ich kürzlich an die Steuererklärung. Ich habe etwa so viel Lust auf Sex mit meinem Mann wie auf das Bügeln seiner Hemden». Die fünfzigjährige Nina blickte mich entmutigt an. «Besser, Du denkst beim Sex an die Steuererklärung als an den Steuerberater», meinte ich und versuchte, etwas Humor in die Situation zu bringen.
Die reife weibliche Lust will neu entfacht werden
Die reife weibliche Lust will neu entfacht werden
Und wir machten uns gemeinsam auf Spurensuche zu Blockaden physischer, mentaler, energetischer Art. Wenn Körper und Geist gestresst sind, durch Sorgen, Ängste, Verstimmungen, Scham, Ekel, Überdruss, traumatische Erfahrungen, Schmerzen, hormonelle Umstellungen und dergleichen, findet man meist nicht in die sexuelle Energie. Mit hypnotherapeutischen Techniken gelingt es, auf unverkrampfte Art und Weise Hindernisse auf dem Weg zur Lust aus dem Weg zu räumen. Und manchmal braucht es auch Aufklärungsarbeit. Beispielsweise darüber, dass die reife weibliche Lust meist nicht spontan zum Fenster hereinflattert, sondern geduldig mit echter Begegnung und Berührungen geweckt und entfacht sein will. Oder darüber, dass es lohnenswert ist, der Sexualität mit Sinnlichkeitsdates mit dem Partner Raum und Bedeutung zu geben und sexuellen Einheitsbrei durch raffinierte Rezepte zu ersetzen. Denn guter Sex ist hypnotisch.
Nina wurde neugierig. Als erstes identifizierten wir belastende Wahrnehmungen, Vorstellungen, Überzeugungen und Befürchtungen. Nina glaubte nicht daran, aus dem Hamsterrad des Denkens ins entspannte Fühlen zu finden und konnte sich mit dem Aussehen ihres Bauches nicht anfreunden. Mit gesprochenen Sätzen, die sich ans Unterbewusste richten, lösten wir dieses Denken. Die Belastung schwand und Energie wurde frei. Nina atmete auf.
Sexuelle erfüllende Erinnerungen wachrufen
Als nächstes bat ich Nina mir mitzuteilen, wie sie sich beim Sex verhalten und erleben möchte und welche Assoziationen ihr zu den Begriffen Sinnlichkeit und sexueller Begierde in den Sinn kämen. Auch war sie gefragt, sich an erfüllende sexuelle Momente zurück zu erinnern. Dabei handelt es sich um bedeutsame Informationen für die anschliessende Hypnose.
Nach einer Induktion in eine leichte Trance leitete ich Nina an, aus dem Zustand der Lustlosigkeit in einen Zustand der Freude und Lust zu wechseln. Das wiederholten wir mehrmals, um das alte unerwünschte Programm durch ein neues zu ersetzen. Dieser neu zugängliche Zustand wurde intensiviert und das Unterbewusstsein wurde eingeladen, ihn in Nina’s Körper auszubreiten und ihn mit einem Anker zu verbinden. Als Anker wählte Nina ein von ihr kreiertes Fantasiewort. Daraufhin vertiefte ich die Hypnose und forderte Nina auf, sich mit bewussten und unbewussten sexuell berauschenden und sicheren Erlebnissen der Vergangenheit zu verbinden und sich diese zu vergegenwärtigen. Mittels Suggestionen liess ich Nina hypnotisch eine Begegnung mit ihrem Liebsten erleben, in der sie mit all ihren Sinnen ganz in das körperliche Empfinden eintauchte, während es in ihrem Kopf stiller und stiller wurde. Ein feines Lächeln auf ihren Lippen verriet mir, das sie in Fahrt gekommen ist. Von der Gegenwart ging es in die nähere Zukunft. Nina beobachtete sich bei einer Begegnung mit ihrem Mann, in welcher sie sich auch getraute, ihm mitzuteilen, was ihr Lust bereitete. Ich bat ihr Unterbewusstsein, mir mittels einer unwillkürlichen Bewegung eines Fingers zu bestätigen, dass es den Auftrag verstanden hat. Der kleine Finger bewegte sich und ich forderte Nina dazu auf, ihre Augen mit einem durch und durch guten, zuversichtlichen Gefühl wieder zu öffnen.
Endlich wieder einen Orgasmus
Zwei Wochen später erreichte mich eine E-Mail: «Danke für die Begegnung. Es fällt mir nun viel leichter, mich fallen zu lassen. Auch einen Orgasmus kann ich wieder erleben. Ich werde mich nächstens wieder bei Dir melden, um den Weg in eine entspannte Sinnlichkeit weiterzuverfolgen. Herzliche Grüsse, Nina P.S. Das Bügeln teilen wir uns fortan auf»
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Hier den Artikel aus der Zeitschrift doktor stutz zum nachlesen.